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Räbeliechtli, Räbeliechtli wo chunnsch her… ?

Nach dem fröhlichen Kürbisschnitzen zu Halloween gehts nun auch schon mit dem Aushöhlen der Räbeliechtli weiter. Die Meisten wissen vermutlich, wo dieses hingeht – “…I die dunkli Nacht ohni Sterneschii, da muess mis liechtli sii”.
In diesem Beitrag möchte ich euch daher mehr über die Hintergründe dieser herbstlichen Tradition erzählen, die Kinderaugen gleichermassen zum glänzen bringt, wie jene der Erwachsenen.

Wie so mancher alter Brauchtum, ist auch jener des Räbeliechtli-Umzuges nicht einfach zurückzuverfolgen. Es wird davon ausgegangen, dass ein ähnliches Fest, in dessen Zentrum das Tragen von geschnitzten Räbeliechtli, zu Deutsch auch Rübenlaternen, stand, schon im Mittelalter gefeiert wurde.

Die Futterrübe war damals in Europa ein wichtiges Grundnahrungsmittel – sie liess sich gut lagern und versorgte so Mensch und Tier den Winter hindurch mit Vitaminen, Proteinen und Mineralstoffen. Ihr Saft wurde darüber hinaus zur Kür von Husten- und Erkältungskrankheiten genutzt. Es ist daher nicht erstaunlich, dass im Herbst die letzte Ernte dieser wertvollen Feldfrucht ordentlich zelebriert wurde.

Im Grunde handelt es sich beim Räbeliechtli-Umzug also um ein Erntedank-Fest. Doch im Unterschied zu vielen anderen Erntedank-Traditionen steht nicht die Nahrung im Vordergrund, sondern, wie der Name erahnen lässt, das Licht. Denn schon damals wurde ein Teil der geernteten Rüben ausgehöhlt und mit Kerzen versehen, so dass sie als einfache Laterne Licht in die kürzer und dunkler werdenden Tage bringen. Lichterfeste ihrerseits sind seit jeher überall dort verbreitet, wo die geographische Lage zu bestimmten Jahreszeiten kürzere Tage hervorruft und man nimmt an, dass schon zur Bronzezeit unsere keltischen Urahnen um diese Zeit des Jahres Lichterfeste zelebrierten.

Andere Wurzeln des Räbeliechtli-Umzugs gehen auf den St. Martins-Tag zurück, der in der katholischen Kriche am 11. November gefeiert wird. Der Tag lag einerseits zu Beginn der Fastenzeit und war andererseits auch das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres. Ersteres bedeutete, dass noch einmal ordentlich geschlemmt werden musste, und mindestens jene Nahrungsmittel, die weniger gut haltbar waren verzehrt werden mussten. Letzteres bedeutete, dass an diesem Tag auch die Steuern – in Form von Nahrungsmittel – eingezogen wurden und Dienstverhältnisse endeten. Daraus resultierten die am Vorabend des 11. November üblichen Heischebräuche, bei denen insbesondere Kinder und Arme von Tür zu Tür zogen und Gaben erbettelten und das gesellige Festen und gemeinsame Essen in dieser Nacht. Dabei spielte auch das Feuer eine wichtige Rolle: Neben dem Martinsfeuer fanden weitere Feuerbräuche ihren Platz, so zum Beispiel der Tanz ums Feuer oder der Sprünge über das Feuer, aber das Schwärzen der Gesichter mit Russ und Kohle oder der Fakellauf, der sich im Laufe zur Zeit in einen Laternenlauf verwandelte.

Der Räbeliechtli-Umzug, wie wir ihn heute bei uns in der Schweiz kennen, reicht aber vermutlich erst in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. In Richterswil, wo auch heute noch jährlich am zweiten Samstag des Novembers die Räbechilbi stattfindet, ist überliefert, dass die ersten Umzüge um das Jahr 1860 statt gefunden haben. Doch schon lange vorher wurden ausgehöhlte Räbeliechtli benutzt, um in der Dunkelheit den Weg zum Nachbardorf oder zur Nachtmesse zu finden und vermutlich gab es schon lange vorher den Einen oder Anderen mit künstlerischer Ader, und daher nicht nur ausgehöhlte sondern auch kunstvoll geschnitzte Räben.

Viel wichtiger, als die Herkunft des Brauches, ist für mich allerdings, dass er heute noch gelebt wird, denn der Umzug mit diesen einfachen aber nicht minder hübschen Laternen gehört zu einem meiner ganz persönlichen Lieblings-(Familien-)anlässen und ich freue mich riesig auf das Schnitzen der Laternen, die vielen im Dorf wandelnden Lichter und den obligaten Räbesalat 🙂


Eine schöne Legende über die Entstehung der Rübenlaterne, die auch die Paralellen zwischen Halloween, Rübengeistern, Räbeliechtli und Irrlichtern aufzeigt, findet ihr hier.

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