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Nachhaltig glücklich sein

In unserer schnelllebenden, konsum-, kompetenz- und konkurrenzorientierter Gesellschaft werden viele wesentliche Dinge an den Rand geschoben, wenn sie denn überhaupt noch Platz finden. Dazu zähle ich beispielsweise das Kind sein. Aber auch das Glücklich sein. Oder besser: das nachhaltig glücklich sein.

Gerade für unsere Kinder ist es in der heutigen Welt nicht einfach, zwischen Glück und dessen Schein zu unterscheiden. Wenn beispielsweise das so tolle neue Legoset nicht angeschafft wird, kann dies in Kinderseelen grosse Trauer auslösen, umgekehrt leuchten deren Augen vor Freude, wenn das neue Spielzeug unerwartet in ihrem Zimmer steht. Das Kind fühlt sich entsprechend glücklich – aber für wie lange?

Dass das Glücklichsein für unser Leben wichtig ist, leuchtet schnell ein, weniger einleuchtend entsprechend sind die Umstände, das dem so wenig Beachtung geschenkt wird. Hier sind uns andere weit voraus – denn in bestimmten Schulen, in den Niederlanden, in Dänemark, Grossbritannien oder auch in Deutschland, gibt es schon länger Projekte zum Unterrichten von “Glücklich sein” – und das mit grossem Erfolg.

In den Schweizer Schulen haben wir das bislang noch nicht und mit dem derzeitigen Fokus auf die individuelle Förderungen in den “wichtigen” Leistungsfächer wie Deutsch und Mathematik, wird dies vermutlich auch nicht bald geschehen. Viel mehr liegt es an den Eltern, unseren Kindern das “Glücklich sein” beizubringen. Doch das ist nicht ganz einfach, denn wer weiss schon, wie nachhaltiges Glücklichsein gefördert werden kann?

Ein paar Ideen dazu gibt uns der Niederländische Musiker und “Glückscoach” Merijn Ruis. Er hat ein halbtägiger Workshop für die Primarstufe entwickelt. Die einzelnen Bestandteile können aber auch im Alltag bestens eingesetzt werden, und so unsere Kinder, uns selbst – ja unser Leben – mit Glück bereichen. Neben dem Singen sind dabei verschiedene Spiele und vor allem auch das Nachdenken über das Glück wichtige Bestandteile.

Im Folgenden stelle ich einzelne 5-10-Minütige “Übungen” vor, die ohne grossen Aufwand im Alltag integriert werden können:

Vorher-Nachher
Zunächst soll das Kind angeben, wie glücklich es sich gerade fühlt. Zum Beispiel auf einer Skala von 1 bis 10, mit dem Daumen hoch/runter, oder mit den Händen das Glück “als Distanz” angeben.
Danach wird kurze Zeit gespielt, gesungen oder geredet. Was genau gemacht wird, ist weniger wichtig, als dass gemeinsam etwas gemacht wird, dass Freude bringt. Das kann das Erzählen einer fröhlichen Geschichte sein, das gemeinsame Singen eines Liedes, das wecken schöner Erinnerungen oder Vorstellungen, Tanzen, Turnen, oder eine der folgenden Übungen, …
Nach dieser Tätigkeit soll das Kind erneut angeben, wie glücklich es sich fühlt.
Das Kind erfährt, dass seine Gedanken und Taten das Glücklichsein beinflussen und es so das eigene Glücklichsein steuern kann.


Sich der Dankbarkeit bewusst werden
Abwechslungsweise zählt jeder fünf Dinge auf, für die er oder sie dankbar ist. Wichtig ist dabei dass auch Dinge des aktuellen Tages aufgezählt werden. Dieses “Spiel” lässt sich gut vor dem Schlafen gehen durchführen, dem Kind wird das Einschlafen mit positiven Gedanken und Gefühlen sicher einfach fallen.
Das Spiel kann auch erweitert werden, zum Beispiel nennt jemand einen Buchstabe worauf die anderen jeweils ein Wort mit diesem Anfangsbuchstaben nennen müssen, für das sie dankbar sind und erzählen weshalb.
Das Kind erfährt, dass es tausend kleine Dinge gibt, für die es dankbar ist und wird sich dadurch seinem eigenem Glück bewusst.


Du kannst das!
Das Kind streckt seine Arme nach vorne und sagt 10 mal laut “Ich kann das nicht”. Nun werden die Arme von einer anderen Person nach unten gedrückt und das Kind soll versuchen dagegenzuhalten.
Danach streckt das Kind die Arme erneut nach vorne und sagt 10 mal laut “Ich kann das”. Wieder werden seine Arme nach unten gedrückt, und es soll versuchen dagegenzuhalten.
Frage das Kind, wann es einfacher war, dagegen zu halten. Erkläre dem Kind, dass sich dies nicht nur bei der (Körper-)Kraft so verhält, sondern auch in anderern Situationen, wenn es denkt, etwas nicht meistern zu können (zum Beispiel, wenn es denkt nicht alleine einschlafen zu können oder eine Schulaufgabe sehr schwierig findet.)
Das Kind erfährt, dass seine Gedanken/sein Wille, die körperliche Kraft beeinflusst. Es wird dann auch verstehen, dass dies bei anderen Dingen so sein wird. Dadurch wird sein Selbstvertrauen gestärkt.


Lied: Ich bin es wert
Dem Kind werden folgende Sätze vorgesungen. Nach jedem Satz soll ihn das Kind nachsingen.
Danach sollen das Kinder selber einen positiven Satz über sich singen (was es ist, weshalb es gut ist, weshalb es sich liebt, …), der dann von den anderen nachgesungen wird.

Ich bin es wert.
Ich kann alles sein.
Ich bin so frei.
und ich liebe mich.
Es ist gut ich zu sein.
ich darf so sein wie ich will.
und ich liebe mich.

Das Kind lernt, dass es in Ordnung und wichtig ist, sich selber zu lieben und erfährt ein positives Selbstwertgefühl.


Über das Glücklich sein nachdenken
Gemeinsam nachdenken, in welcher Form Glück daherkommen kann.
Dies kann auch auf Basis einer Geschichte passieren, die dem Kind erzählt wird.
Schöne, geeignete Geschichten hierfür sind z.b.:

– Die Geschichte von Esel, Vater und Sohn (Polylemma nach Hodscha Nasreddin)
– Die drei Siebe des Sokrates (über Wahrheit, Güte und Notwendigkeit)
– Der Bauer und sein Pferd / Glück im Unglück (Parabel aus dem Huainanzi)
– Der kluge Fischer (Anekdote nach Heinrich Böll)
– Zwei Mönche auf Wanderschaft (alte Zen-Geschichte über das Loslassen)

Die Geschichten und die Unterlagen für den gesamten dreistündigen Workshop mit vielen weiteren Ideen auch für den Alltag findet ihr hier:
www.opensourceteachings.com

Wie Lektionen im Glücklich sein in der Schule aussehen können, zeigt euch dieses Video von Merijn Ruis:
Glücksunterricht mit Merijn Ruis


Auch passend zum Thema: Sam Smiler veröffentlicht am 15. November sein Cover des Liedes “If you’re happy and you know it clap your hand”.

Und somit viel Spass und Erfolg beim Glücklich sein und glücklich werden!

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